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CertiAcademyHPP Prüfungsvorbereitung

Prüfungswissen & Fachgebiete · Stand November 2026

Organische psychische Störungen: F0, Delir und Demenz in der HPP-Prüfung

F0 gegenüber F2 und F3 abgrenzen: Delir, Demenz und körperliche Ursachen psychischer Symptome. HPP-Differentialdiagnostik mit Fallfrage.

01

Warum körperliche Ursachen in eine HPP-Prüfung gehören

Eine psychisch wirkende Beschwerde muss nicht ausschließlich psychisch verursacht sein. Die HPP-Überprüfung verlangt, dass Sie Ihre Grenze erkennen und notwendige medizinische Hilfe nicht verzögern. Das betrifft besonders neue oder rasch wechselnde Symptome.

Im ICD-10-GM-Kapitel F00–F09 werden organische einschließlich symptomatischer psychischer Störungen eingeordnet. Die Ursache kann das Gehirn unmittelbar betreffen oder Teil einer anderen körperlichen Erkrankung sein. Der Code ersetzt die Untersuchung nicht. Quelle: BfArM: ICD-10-GM 2026, organische psychische Störungen F00–F09

02

Delir und Demenz: der Verlauf ist entscheidend

Orientierung für die Fallbearbeitung, keine alleinige Diagnoseregel
MerkmalDelirDemenz
BeginnHäufig akut, Stunden bis TageHäufig schleichend, längerer Verlauf
AufmerksamkeitTypisch gestört, oft schwankendJe nach Form und Stadium verschieden
BewusstseinKann verändert oder getrübt seinBei unkompliziertem Demenzsyndrom nicht getrübt
PrüfungsfolgerungDringende medizinische AbklärungMedizinische Diagnostik; neue akute Veränderung zusätzlich abklären

Eine Demenz schützt nicht vor einem Delir. Auch ein stiller, verlangsamter Mensch kann delirant sein; ausgeprägte Unruhe ist keine zwingende Voraussetzung. Quelle: BfArM: ICD-10-GM 2026, organische psychische Störungen F00–F09 Quelle: NICE CG103: Delir erkennen und abklären

03

Hinter depressiven Beschwerden kann mehr stehen

Antriebsmangel und Konzentrationsprobleme verlangen eine sorgfältige Anamnese. Zu berücksichtigen sind unter anderem körperliche Erkrankungen, Medikamente und Substanzen. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann depressive Beschwerden begleiten; auch bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson sind psychische Symptome möglich.

Daraus folgt weder „Müdigkeit beweist Hypothyreose“ noch „bei körperlicher Erkrankung kann keine Depression vorliegen“. Beides kann zusammentreffen. Ärztliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere Diagnostik richten sich nach dem individuellen Fall. HPP ersetzen diese Abklärung nicht durch eine Vermutung. Quelle: Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression: Diagnostik und Monitoring

04

F2, F3 und die alten Wörter „exogen“ und „endogen“

Schizophrene beziehungsweise verwandte psychotische Störungen werden im F2-Bereich, affektive Störungen im F3-Bereich eingeordnet. Ähnliche Symptome können auch bei organischen Ursachen oder Substanzeinfluss auftreten. „Stimmenhören = Schizophrenie“ ist deshalb als alleinige Schlussregel unzureichend.

Die historischen Wörter „exogen“ und „endogen“ begegnen Ihnen in älteren Lernmaterialien. Verwenden Sie sie nicht als Abkürzung, mit der körperliche Ursachen ausgeschlossen wären. Entscheidend bleiben Befund, zeitlicher Verlauf, mögliche Auslöser und ärztliche Abklärung. Der Ratgeber zu ICD-10 und ICD-11 hilft bei der Einordnung von Klassifikationen.

05

Fünf Fragen für die strukturierte Fallbearbeitung

  1. Seit wann bestehen die Beschwerden, und wie schnell haben sie sich verändert?
  2. Schwanken Aufmerksamkeit, Orientierung oder Bewusstseinslage?
  3. Gibt es neue Medikamente, Substanzkonsum oder Hinweise auf Entzug?
  4. Welche körperlichen Erkrankungen und aktuellen Warnzeichen sind bekannt?
  5. Welche Hilfe ist jetzt erforderlich, und was liegt außerhalb meiner Kompetenz?

Bei plötzlich einsetzender Verwirrtheit ist rasche medizinische Hilfe nötig; bei akuter Gefahr oder schwerer Bewusstseinsstörung 112. Der Verdacht muss nicht erst abschließend bewiesen sein. Quelle: NHS: plötzlich auftretende Verwirrtheit Üben Sie solche Entscheidungen mit den 466 Fragen in 100 mündlichen HPP-Protokollen.

06 · Selbst prüfen

Eine Beispielfrage zum Thema

Eigene Übungsfrage von CertiAcademy · keine amtliche Originalfrage · eine Antwort ist richtig

Eine ältere Person ist seit heute plötzlich unaufmerksam und wechselnd desorientiert. Zuvor war sie im Alltag weitgehend selbstständig. Welches Vorgehen ist am angemessensten?

  1. Die Veränderung als normale Alterserscheinung beruhigend abtun.
  2. Sofort von einer über Jahre entwickelten Demenz ausgehen.
  3. Ein mögliches Delir beziehungsweise eine akute körperliche Ursache erkennen und dringende medizinische Abklärung organisieren.
  4. Ausschließlich eine längerfristige Gesprächstherapie planen.
Richtige Antwort und Erklärung anzeigen

Richtig ist C.

  • A bagatellisiert die akute Veränderung.
  • B ignoriert Beginn und Schwankungen; die Diagnose ist nicht belegt.
  • C ist richtig: Der Verlauf ist ein Warnsignal. Eine endgültige Diagnose ist keine Voraussetzung für die Weiterleitung.
  • D lässt die vorrangige medizinische Sicherheitsfrage offen.

Quellen und Aktualität

Quellenprüfung und redaktioneller Stand: 5. November 2026. Lernmaterial zur Prüfungsvorbereitung; keine individuelle medizinische oder rechtliche Beratung. Regionale Verfahrensregeln sind beim zuständigen Amt zu prüfen.

  1. BfArM: ICD-10-GM 2026, organische psychische Störungen F00–F09
  2. NICE CG103: Delir erkennen und abklären
  3. NHS: plötzlich auftretende Verwirrtheit
  4. Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression: Diagnostik und Monitoring