Die Erlaubnis ist auf Psychotherapie begrenzt
Die sektorale Heilpraktikererlaubnis erlaubt heilkundliche Psychotherapie im erteilten Umfang. Sie ist weder eine ärztliche Approbation noch eine allgemeine Heilpraktikererlaubnis. Die Befugnis zur Behandlung psychischer Beschwerden erweitert sich nicht dadurch, dass die betroffene Person eine zusätzliche körperliche Erkrankung hat.
Unterscheiden Sie drei Ebenen: gesetzlicher Vorbehalt, Umfang Ihrer Erlaubnis und persönliche fachliche Kompetenz. Eine Tätigkeit kann außerhalb Ihrer Kompetenz liegen, obwohl kein Gesetz die betreffende Diagnose pauschal für jede psychotherapeutische Begleitung sperrt. Quelle: § 1 Heilpraktikergesetz: Erlaubnispflicht Quelle: Bayerische Vollzugshinweise: Überprüfung und Beschränkung auf Psychotherapie
Verschreibungspflichtige Psychopharmaka: keine HPP-Verordnung
§ 48 AMG regelt die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel aufgrund einer entsprechenden ärztlichen, zahnärztlichen oder tierärztlichen Verschreibung. Aus einer HPP-Erlaubnis folgt keine Befugnis, verschreibungspflichtige Psychopharmaka zu verordnen.
In einem Prüfungsfall dokumentieren Sie die berichtete Medikation und erkennen mögliche Warnzeichen. Sie planen aber keine eigenständige Dosierungsänderung und raten nicht pauschal zum Absetzen. Bei vermuteten schweren Arzneimittelreaktionen organisieren Sie dringende ärztliche Hilfe. Mehr dazu im Psychopharmaka-Ratgeber. Quelle: § 48 AMG: Verschreibungspflicht
Somatische Ursachen ärztlich abklären lassen
Psychische Beschwerden können mit körperlichen Erkrankungen, Medikamenten oder Substanzkonsum zusammenhängen. Gerade ein plötzlich veränderter Bewusstseinszustand, neue neurologische Auffälligkeiten oder ein ungewöhnlicher Verlauf verlangen eine entsprechende medizinische Abklärung.
Die sektorale Erlaubnis macht HPP nicht zuständig für die eigenständige körpermedizinische Ausschlussdiagnostik. Erklären Sie, welche Befunde den Verdacht begründen und wie dringend Sie die Weiterleitung einschätzen. „Alles Organische ausgeschlossen“ ist keine zulässige Behauptung ohne entsprechende Befundgrundlage. Quelle: Bayerische Vollzugshinweise: Überprüfung und Beschränkung auf Psychotherapie Vertiefung: F0, Delir und Differentialdiagnostik.
IfSG und schwere Erkrankungen sauber auseinanderhalten
§ 24 IfSG enthält einen ärztlichen Vorbehalt für die Feststellung und Heilbehandlung bestimmter übertragbarer Krankheiten beziehungsweise Infektionen. Das ist eine konkrete gesetzliche Grenze. Sie ist nicht gleichbedeutend mit einem generellen Verbot jedes psychotherapeutischen Kontakts zu einer Person mit einer Infektion. Quelle: § 24 IfSG: ärztlicher Vorbehalt bei bestimmten übertragbaren Krankheiten
Bei schwerer Depression, Psychose oder Abhängigkeit kommt es zusätzlich auf Gefährdung, Behandlungsbedarf, Qualifikation und geeigneten Versorgungsrahmen an. „Alle Diagnosen aus F2 sind gesetzlich verboten“ wäre als pauschale Rechtsbehauptung falsch. Ebenso falsch wäre: „Psychisch bedeutet automatisch allein durch HPP behandelbar.“ Akute Suizidalität oder ein Delir erfordern angemessene Notfallversorgung.
So formulieren Sie Ihre Grenze überzeugend
Eine gute Prüfungsantwort verbindet Beobachtung, Grenze und nächste Handlung: „Die neu aufgetretene Verwirrtheit lässt eine körperliche Ursache vermuten. Das kläre ich nicht durch eine rein psychotherapeutische Behandlung. Ich organisiere jetzt die erforderliche ärztliche Versorgung.“
Üben Sie solche Sätze mit wechselnden Fallinformationen. Fragen Sie sich anschließend: Habe ich eine gesetzliche Regel benannt oder lediglich meine Vermutung als Verbot ausgegeben? In den 2.811 HPP-Lerninhalten lassen sich schriftliche Wissensfragen und mündliche Begründungen verbinden. Gefahrenabwehr und das Erkennen eigener Grenzen sind ausdrücklich Gegenstand der Überprüfungsleitlinien. Quelle: BMG: Heilpraktikerüberprüfungsleitlinien, Bundesanzeiger vom 22.12.2017
Eine Beispielfrage zum Thema
Eigene Übungsfrage von CertiAcademy · keine amtliche Originalfrage · eine Antwort ist richtig
Eine Person unter ärztlich verordnetem Antidepressivum berichtet neue erhebliche Beschwerden. Welche Aussage beschreibt die Rolle eines HPP am zutreffendsten?
- Die HPP-Erlaubnis umfasst die selbstständige Anpassung des verschreibungspflichtigen Arzneimittels.
- Ein Antidepressivum darf ausnahmslos sofort abgesetzt werden.
- Ein psychotherapeutischer Kontakt ersetzt die ärztliche Abklärung.
- Warnzeichen einordnen, die Dringlichkeit klären und die erforderliche ärztliche Versorgung organisieren.
Richtige Antwort und Erklärung anzeigen
Richtig ist D.
- A leitet eine nicht vorhandene Verordnungsbefugnis aus der sektoralen Erlaubnis ab.
- B ignoriert individuelle Risiken; ein pauschaler Absetzrat ist nicht sachgerecht.
- C verwechselt Begleitung mit medizinischer Abklärung.
- D ist richtig: Kompetenzgrenze und geeignete Weiterleitung werden verbunden.
Quellen und Aktualität
Quellenprüfung und redaktioneller Stand: 5. November 2026. Lernmaterial zur Prüfungsvorbereitung; keine individuelle medizinische oder rechtliche Beratung. Regionale Verfahrensregeln sind beim zuständigen Amt zu prüfen.